BECKENBAUER: Die Geschichte vom Franz

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Franz Beckenbauer *1945 – †2024

Früher kickten die Kicker anders, zumindest sahen sie anders aus, ohne die bunten Tattoos, die heute auf den modernen Bolzplätzen herumtollen. Damals ging es recht farblos zu. Die heutigen Fußballer sind moderne Cowboys, Influencer auf und außerhalb des Rasens. Stell dir nur David Beckham vor, wie er seine Haare in den Wind wirft, Messi mit seinem Zauberfuß, oder Toni Kroos, den manch einer sogar für “größer” als den Franz Beckenbauer hält – so zumindest der Didi (Hamann). Und all diese Spieler sind großspurig tätowiert. Auch der Weltbeste, der Diego (über den haben wir ja schon berichtet, hier.)

Toni, der „moderne“ Franz, zumindest dem Anschein nach, schmückt sich nicht nur mit exklusiven Tattoos, sondern trägt seine Familienmitglieder für die Ewigkeit auf der Haut. Das ist, in all der überzogen Welt von Glitzer und Fame, so etwas wie Bodenständigkeit. Tattoos stehen im Fußball für besondere Leistungen, aber auch für Werte wie Familie. Franz’ Kumpel Paul Breitner behauptet sogar, er würde heute auch Tattoos tragen.

Schaun mer mal, dann sehn mer scho

In der Ära vom Franz Beckenbauer, und um ihn soll es heute gehen, gab es noch keinen Tattoo-Boom – der Kaiser Franz bezog sein “Alleinstellungsmerkmal” aus der Verbindung “Weltstar” mit dem Jungen aus München, dem “Giesinger”, den er nie verleugnet hat. Seine Herkunft und das Glück, das ihm das Leben bescherte, hat der Franz stets hervorgehoben. Ein Typ, dem man glaubt, dass er einer von uns ist, den Fans. Seine Karriere liest sich wie ein episches Gedicht des Fußballs. Vom jungen Talent, das die Weltmeisterschaft 1974 als Spieler gewann, bis zum strahlenden Nationaltrainer, der Deutschland 1990 zum erneuten Triumph führte – Beckenbauer hat die Geschichte des deutschen Fußballs mit goldenen Buchstaben geschrieben. Abgehoben ist er aber nie.

Heute sind die Fußballstars Tattoo-Verrückte. Ihre Erlebnisse, ihre Erfolge, aber auch ihre Niederlagen, sind auf die Körper tätowiert. Das erinnert sie daran “menschlich” zu sein und zu bleiben- trotz all der öffentlichen Verehrung.

Franz musste seine Einzigartigkeit anders zum Ausdruck bringen, mit Genialität auf dem Spielfeld und als einzigartiger Charakter in der Öffentlichkeit. Immer ein Typ mit Kante. Manche Menschen tauchen aus dem Nebel der Normalität auf und strahlen in einem einzigartigen Licht. Franz Beckenbauer war und ist so ein Phänomen – eine Fußball-Lichtgestalt, die selbst Skeptiker beeindruckte.

“Ich habe immer nur gesagt, was mir gerade eingefallen ist.” (Der Franz)

Auch wenn der Franz keine Tattoos hatte, war seine Strahlkraft ein Plädoyer für den Glauben an die eigene Leistung und Bodenständigkeit. Die Verbindung zwischen Beckenbauer und Tattoos mag zunächst seltsam erscheinen, aber beide repräsentieren Werte wie Einzigartigkeit, Künstlertum und Freiheit.

Der Kaiser konnte auch ernst: Er erzählte einmal von den Herausforderungen, die das Leben ihm gestellt hat, von Rückschlägen und (manchmal schwer wiegenden) Erfolgen abseits des grünen Rasens. Und plötzlich wird mir klar, dass hinter diesem lässigen Äußeren ein Mann steckt, der mehr ist als nur ein Sportidol. Der Kaiser, ein Philosoph im Fußballgewand, ein Taktiker des Lebens.

Franz durchbrach nicht nur die Grenzen des Fußballs, sondern auch gesellschaftliche Erwartungen. Er brachte das Spiel von den Stadien auf die Straßen, und zurück in noch größere Stadien. Er verkörpert individuelle Lebensentscheidungen, wie sie heute oft in Tattoos verewigt werden. Der Kaiser steht für die Freiheit!

Franz Beckenbauer und manch (tätowierter) Sportler repräsentieren Selbstbestimmung und den Mut, gegen den Strom zu schwimmen. Der Kaiser gestaltete die Fußballwelt nach seinen Regeln, genauso wie Menschen mit Tattoos ihre Körper als Leinwand nutzen, um ihre eigene Geschichte zu schreiben. Kein Wunder also, dass der Franz oft als Abbild, aber auch so mach einer seiner Sprüche, auf den Körpern der Fans verewigt ist.

Und sein bekanntester Spruch könnte heutzutage auch anders lauten. Einst sagte er:

“Geht’s raus und spielt Fußball”  (Taktische Anweisung vor dem WM-Finale 1990)

Heute möchte der Spruch so gehen:

“Hab keine Angst vor draußen, pass dich nicht an, gib alles und steh zu deinen Leistungen – und tätowier dir das gefälligst hinter die Ohren (oder auf den Arm).”

Der Franz ist letzte Woche von uns gegangen und wurde nun in seiner Heimatstadt München beerdigt. Er hinterlässt viele Erinnerungen. Eins ist beim Franz aber besonders wichtig: die Leichtigkeit, mit der er durch die Parkettböden der Welt wandelte, ohne sich von großspurigen Allüren beeindrucken zu lassen. Er war eine Lichtgestalt und sagte mit Augenzwinkern:

“Ich hab mal einen Stammbaum machen lassen: Die Wurzeln der Beckenbauers liegen in Franken. Das waren lustige Familien, alles uneheliche Kinder. Wir sind dabei geblieben.”

Am Freitag, den 19.1.24 war die emotionale Abschiedsfeier von Franz Beckenbauer in der Allianz Arena. Wir sagen:

DANKE und SERVUS, FRANZ!

»Ich bin ja mit dem Franz Beckenbauer groß geworden und es gibt wenige Menschen, die sind wie der Franz. Die soviel in einer Person vereinen können. Und das mit dieser Leichtigkeit, Unaufgeregtheit und ohne jede Eitelkeit. Die Beatles waren so, und auch der Franz. Er war souverän und auch bescheiden. Er war traditionell, aber auch eigensinnig. Er war akribisch und künstlerisch. So einen wie der Franz, so einen gibt es selten.« Julian Bachmann

Fußballkrone für den KaiserText: Julian Bachmann

Grafik: Jonas Bachmann

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