Der Pest-Doktor

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Der Pest-Doktor • Tattoo Lexikon

Er ist ein Sinnbild für Leid, Elend und Krankheiten, die im Mittelalter durch unhygienische Zustände entstanden: Der Pestarzt, unverwechselbar durch die Maske mit dem langen Schnabel, dem schwarzen Umhang und und dem Hut mit breiter Krempe. Aufgrund der Maske wirkt der Pestarzt auf gruselige Weise unheimlich, ein bisschen so, als ob er selbst den Tod mit sich brächte anstatt ihn aufzuhalten. Klar war; wo so eine Gestalt zu sehen war, da war die Situation ernst, da grassierte die Pest, an der Infizierte oft innerhalb weniger Tage eines schmerzhaften Todes starben.

Im Mittelalter waren Pestärzte zwielichtige Gestalten; die Städte bezahlten ihnen enorme Gehälter für ihre sehr riskante Tätigkeit, doch war ihre Aufgabe gar nicht erster Linie, Kranke zu behandeln – das war ohnehin nicht möglich und die Pest-Doktoren waren auch gar keine ausgebildeten Ärzte – sondern bestand hauptsächlich darin, festzustellen, wer, wo und wie viele Einwohner an der Pest erkrankt oder bereits verstorben waren.

Teilweise verdienten sich manche dieser Gestalten noch etwas dazu, indem sie angebliche Wundermittel an Erkrankte verkauften, die jeden Preis für einen Funken Hoffnung bezahlten. Reklamationen gab es bei diesen unmoralischen Geschäften praktisch nie – denn die Betrogenen waren nach wenigen Tage ohnehin tot und konnten ihr Geld nicht mehr zurück fordern.

Das typische Aussehen des Pestarztes mit langem schwarzen Mantel, Hut und der unverwechselbaren Maske ist jedoch erst ab der Mitte des 17. Jahrhunderts belegt; im Schnabel steckten dabei wohlriechende Kräuter, die den Pestgestank überdecken sollten und von denen man sich eine Reinigung der »faulen Luft« versprach, die man für die Pest verantwortlich machte. Solch eine auffällige Kleidung wurde aber vor allem in Frankreich und Italien getragen und auch dort eher selten, weiter nördlich war diese Kleidung nicht gebräuchlich.

Tattoo von Tattoo AnansiText: Dirk-Boris Rödel

Grafik: Jonas Bachmann

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