Die eierlegende Wollmilchsau auf australisch: Das Schnabeltier

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Das Schnabeltier • Lexikon

Im 18. Jahrhundert wurden in Europa neugierig Berichte von überaus seltsamen und kuriosen Tieren zur Kenntnis genommen, die Forscher und Siedler nach und nach vom relativ neu besiedelten Kontinent Australien aus in die alte Heimat schickten. Koalabären, Kängurus, Emus und tasmanische Teufel – auf diesem fernen Kontinent schien ein Tier schien fantastischer und unglaublicher als das andere zu sein. Manche Tiere erschienen den Europäern so bizarr, dass sie kaum glauben konnten, dass so etwas seltsames auf Gottes Erdboden existierte.

Bei einem Tier, von dem Australien-Reisende das Fell mit nach London brachten, war beim britischen Publikum dann aber endgültig der Ofen aus; das »Schnabeltier«, das ihnen da präsentiert wurde, das musste ein Scherz sein! Ein Säugetier, das Eier legte, einem Biber ähnelte, Nahrung wie ein Hamster in den Backentaschen transportiert, aber mit Entenschnabel und einem Giftdorn an den Hinterläufen? Dem Überbringer des absurd aussehenden Präparats wurde unterstellt, auf geschickte Art und Weise einen »australischen Wolpertinger« gebastelt zu haben, ein Fantasiewesen, mit dem er die britische Öffentlichkeit und deren Sensationshunger nach immer noch seltsameren Wesen vorführen wollte.

Doch zum größten Erstaunen erwies sich nach eingehender Untersuchung: Dieses Tier war echt! Tatsächlich legen Schnabeltier-Weibchen ähnlich wie Reptilien Eier, die daraus geschlüpften Jungen werden aber wie auch bei anderen Säugetieren mit Muttermilch ernährt. Es zählt zu den wenigen Gift produzierenden Säugetieren und der Giftstachel des possierlich anmutenden Tiers wurde von Jägern, die dem Schnabeltier aufgrund des dichten Fells nachstellten, oft unterschätzt; zwar ist das Gift des Schnabeltiers für Menschen nicht tödlich, aber äußerst schmerzhaft, und auch Medikamente können die teilweise Monate anhaltenden Schmerzen kaum lindern.

Hätte man der sensationshungrigen Öffentlichkeit des 18. Jahrhunderts zudem auch noch erklärt, dass Schnabeltiere ihre Nahrung mithilfe elektrischer Impulse aufspüren, wäre man wohl mit Sicherheit als Lügner und Aufschneider beschimpft worden …

Tattoo von Tattoo AnansiText: Dirk-Boris Rödel

Grafik: Jonas Bachmann

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