Die kommunikative Funktion von Tattoos – und was man dazu bedenken sollte.

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KOLUMNE • von Dirk-Boris Rödel

Tattoos haben verschiedene Funktionen; sie schmücken, können für Individualität oder auch für Zugehörigkeit stehen, und sie sind auch ein Mittel der Kommunikation.

Gerade dieser letzte Punkt, die Kommunikation, wird von Tattoo-Fans oft nicht oder nicht ausreichend bedacht.

Wer sich tätowieren lässt, sagt damit automatisch etwas über sich aus. Wer sich das Iron Maiden-Maskottchen Eddie tätowieren lässt, steht offensichtlich auf Heavy Metal, wer einen Totoro auf der Haut hat, liebt japanische Anime-Filme, und manche zeigen durch tätowierte Scheren, Hämmer oder Brezeln, dass sie Friseur, Schmied oder Bäcker von Beruf sind.

Noch deutlicher sind natürlich tätowierte Schriftzüge, aus denen sich konkret ablesen lässt, dass dem jeweiligen Träger »La Familia« oder »Respekt« besonders wichtig ist oder welches Lebensmotto ihn begleitet.

Und natürlich lassen sich diese tätowierten Botschaften von jedem ablesen, der diese Tattoos sieht, egal wer, wann oder bei welcher Gelegenheit.

So weit, so gut; ob man wirklich jedem, neben dem man in der U-Bahn sitzt oder vor dem man in der Schlange an der Eisdiele steht, dringend mitteilen muss, welche Musik man hört oder welche Filme man mag, das sei mal dahin gestellt, aber es sind ja meist keine problematischen oder kontroversen Botschaften, die man damit aussendet.

Manche lassen sich ja aber auch intimere und delikatere Vorlieben und Neigungen tätowieren, die vielleicht nicht ständig für jeden sichtbar sein müssen. Oft sind solche Tattoos dann ja dementsprechend auch an Körperstellen zu finden, die im Alltag von Kleidung bedeckt sind. Denn ob man auf BDSM steht oder einer Satanisten-Sekte angehört, muss vielleicht nicht gleich jeder mitbekommen, neben dem man bei Burger King auf seinen Whopper wartet.

Aber solche Tattoos sind zwar meist im Alltag von Kleidung bedeckt – in ziemlich vielen Situationen sind sie es aber nicht. Und da kann es eventuell bei der Wahl 1. des Tattoo-Motivs und 2. der Körperstelle von Vorteil sein, gedanklich mal durchzuspielen, in wie vielen Situationen man komplett oder teilweise unbekleidet vor teilweise wildfremden Personen steht. Denn es ist ja keineswegs so, dass einen nur der Partner oder die Partnerin textilfrei zu Gesicht bekommt.

Das fängt schon mit dem Freibad-Besuch an, denn Badehose und Bikini verdecken nicht all zu viel Haut; ist da dann noch alles abgedeckt, was nicht für fremde Augen bestimmt ist? Auch Sauna-Freunde sollten sich überlegen, ob es für sie Ok ist, dass bestimmte Bilder für jeden in der Sauna sichtbar sein werden.

Und ist es für einen selbst ok, dem Hautarzt bei der Hautkrebs-Vorsorge, der Arzthelferin, die einen vor dem Röntgenapparat positioniert oder dem Chirurgen, bei dem man auf dem OP-Tisch liegt, diese Bilder zu präsentieren, mit denen man unweigerlich so einiges über sich preis gibt?

Und überhaupt; was, wenn man später mal Kinder hat, mit denen man in der Badewanne sitzt und dann erklären soll, was es mit dem Gagball oder dem Plug auf sich hat, den man sich im jugendlichen Leichtsinn hat stechen lassen…?

Nicht falsch verstehen; lasst euch ruhig alles tätowieren, worauf ihr Bock habt. Nur; es kann sicher nicht schaden, vorab mal gedanklich verschiedene Situationen durchzuspielen, in denen ihr euch unwohl fühlen könntet, wenn Andere bestimmte Motive und Aussagen, die ihr damit über euch macht, zu Gesicht bekommen!

Text: Dirk-Boris Rödel

Grafik: Jonas Bachmann

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