Karl Marx:  Fetisch-Produkte und entfremdete Arbeit

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Tattoo von Tattoo AnansiKarl Marx, der 1818 in Trier geboren wurde und 1883 in London starb, ist wohl eine der missverstandensten Personen der Geschichte. Man kann mit einiger Sicherheit davon ausgehen, dass keines der kommunistischen Regime unserer Zeit, die sich auf die Lehren des Philosophen und Gesellschaftstheoretikers berufen, Marx’ Zustimmung finden würde.

Andererseits sind viele Ideen des Ökonomen Marx heute durchaus auch außerhalb der marxistisch-kommunistischen Ideologie von Relevanz. So ist beispielsweise der Begriff der »entfremdeten Arbeit« bei Marx ganz zentral; gemeint ist damit dass die Arbeit im Idealfall einen persönlichen Bezug zum Arbeiter hat und dem Arbeiter zudem Sinn und Wert seiner Arbeit bewusst ist. Wenn also ein Schuster ein paar Schuhe anfertigt, so kann er stolz auf sein von ihm mit eigenen Händen gefertigtes Produkt sein, außerdem erfüllt das Produkt einen wichtigen Zweck, denn es wird vom Kunden ja tatsächlich benötigt und dieser profitiert ganz konkret von der Arbeit des Schusters. In der Fabrik jedoch muss der Arbeiter Dinge herstellen, die nichts mit ihm zu tun haben und deren Sinnhaftigkeit sich ihm zudem oft nicht erschließt; er hat also nicht den persönlichen und befriedigenden Bezug zur Arbeit, den der Schuster hat, seine Arbeit ist im Gegensatz zu der des Schusters »entfremdet«.

Unabhängig von gesellschaftlichen Ideologien erkennen auch heute Arbeitspsychologen, dass eine Tätigkeit um so befriedigender empfunden wird, je größer die persönliche Verbindung und die empfundene Sinnhaftigkeit ist, während Arbeiten, die »von jedem« gemacht werden könnten und als sinnlos empfunden werden, eher zu Frustration und Burn-out führen.

Auch Marx’ Begriff vom »Fetischcharakter« von Produkten ist heutzutage sehr aktuell. Marx meint mit diesem Begriff, dass bestimmte, durch entfremdete Arbeit produzierte Waren nicht mehr wirklich benötigt werden – wie die oben erwähnten Schuhe – sondern wie Wertgegenstände angesammelt werden, ohne dass der tatsächliche, sinnstiftende Gebrauchswert noch im Vordergrund steht. So hat ein Jutebeutel den selben Gebrauchswert wie eine Louis Vuitton-Tasche, bei letzterer hat jedoch der durch den berühmten Hersteller bedingte Fetischcharakter den Gebrauchswert der Tasche völlig überlagert. Darüber kann man schon mal ein bisschen nachdenken.

Insofern haben die Schriften von Marx durchaus mehr zu bieten als lediglich Klassenkampf und Revolution; unabhängig von politischer Einstellung bieten sie einiges an Denkstoff und Diskussionsmaterial!

Text: Dirk-Boris Rödel

Grafik: Jonas Bachmann

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